Abruzzen: ATRA hilft den Tieren





Nach dem schrecklichen Erdbeben in der Region Abruzzen in Italien, haben wir sofort alles in die Wege geleitet, um auch den Tieren dort zu helfen.






Zuallererst haben wir uns mit Paolo Migliaccio, Vorstand des Krisenstabs für tierärztliche Betreuung in Aquila, in Verbindung gesetzt. Es handelt sich um das offizielle Koordinationszentrum für die Materialannahme und deren Weitergabe, somit konnten wir erfahren, was in der Region besonders benötigt wurde.
Ende April haben wir mit eigenen Geldmittel dafür gesorgt, dass die erste Ladung mit Medikamenten, Anti-Parasiten Mittel und auch anderem Material, in der Region, dank unserer Aktivistin Francesca angekommen ist.
Dank der online Seiten der Zeitung Corriere del Ticino die unsere Kampagne begleitet haben, wurden weitere 2740 CHF gesammelt. Dafür danken wir von ganzen Herzen.
Viele Menschen haben uns auch konkret geholfen und in unserem Hauptsitz Futternäpfe, Decken, Leinen, Schlafplätze und anderes Material vorbeigebracht.
Mit dem gesammelten Geld haben wir viele Medikamente und mehr als 600 kg Futter für Hunde und Katzen gekauft.
Auch unsere Delegation von Carpi (Modena) hat mit einem Spendenruf Futter und anderes Material gesammelt, das direkt in die Abruzzen geschickt wurde.

Unsere Reise

Sabrina und Francesca, ATRA Aktivistinnen, sind Anfang Juni für 4 Tage in die betreffende Region gereist, um das gesammelte und gekaufte Material dorthin zu bringen. Mit ihnen waren auch 2 Volontäre des Zivilschutzes von Locarno dabei, die kostenlos das Fahrzeug zur Verfügung stellten. Dafür danken wir sehr. Es war eine wirklich wichtige Erfahrung in vielerlei Hinsicht. Zum einen war es  Hilfe für die Tiere, die Opfer des Erdbebens waren, zum anderen war es eine sehr emotionale Erfahrung, voller menschlicher Werte. Es folgt die Erzählung von Sabrina und Francesca, die von Matilde Casasopra der Zeitung Corriere del Ticino aufgenommen wurde.



 
 Wo habt ihr geschlafen?
 
Der Krisenstab hat uns im Gebirge von Teramo, ein Haus zur Verfügung gestellt, wo wir die Möglichkeit hatten andere Volontäre zu treffen und unsere Erfahrungen auszutauschen. Es waren dort Tierfreunde, Tierärzte, Experten für Tiere, die verwundet, verwildert und gefährlich sind. Eine Nacht haben wir im Camp der Pci von Santa Maria del Ponte verbracht, dort konnten wir essen und es wurde uns auch ein Klappbett zur Verfügung gestellt. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen und konnten unvergleichliche Wärme und Menschlichkeit geniessen.   
 

Wie sieht die Situation aus, was habt ihr vorgefunden?
 
Die Situation ist sehr komplex und schwierig. Ausserhalb der Zeltstände existiert ein grosses Streuner-Problem (Hunde und Katzen), dass bereits vor dem Erdbeben unkontrollierbar war. Mit dem Erdbeben ist dieses Phänomen explodiert, und zu den bereits existierenden Streuner, sind diejenigen dazugekommen, die vorher “zu Arbeitszwecken” gebraucht wurden, wie beispielsweise Trüffelhunde. Es ist seltsam, doch es sind genau diejenigen, denen es am schlechtesten ergehen wird. Es scheint, dass man sich schon vorher nicht besonders um diese Hunde gekümmert hat. Nach dem Erdbeben haben wir sie alleine vorgefunden, oder auch eingeschlossen in schmutzigen Pseudo-Hundeheimen ohne Wasser. Ausserhalb der Zeltstände haben wir auch viele Katzen und Hunde vorgefunden, die keinen an sich ran lassen. Sie sind durch das Beben traumatisiert und haben jegliche Sicherheit und jeglichen Bezugspunkt verloren. Sie versuchen einfach nur zu überleben.
Wir haben wunderbare Menschen getroffen, einfache Bürger und auch Volontäre des Zivilschutzes, die sich um die Tiere innerhalb und auch ausserhalb der Zeltstände kümmern, wie sie können. Ihre Schwierigkeit besteht gerade darin, dass sie nicht wissen wie sie sie versorgen sollen, da aus gesundheitlichen Gründen, es verboten wäre Essensreste zu verfüttern. Wir haben nämlich auch Plätze vorgefunden, wo Futternäpfe einfach nicht mit Futter und Wasser gefüllt werden. Obwohl zum ersten Mal in Italien, die Krisenführung auch Tiere mit einbezieht, die vom Erdbeben betroffen sind. Es besteht somit die gesetzliche Vorschrift sich um die Tiere zu kümmern. Doch, zum einen fehlt das Material, zum anderen besteht die Schwierigkeit an die bestimmten Orte zu gelangen. Aufgrund des humanitären Notstandes besteht natürlich auch Gedankenlosigkeit, die wir natürlich verstehen können, aber nicht 2 Monate nach dem Erdbeben, wo alle nun über eine Unterkunft und den notwendigen Lebensunterhalt verfügen.  

 
 

Was habt ihr in den Tagen gemacht?



Nach dem ersten Tag der Materialabgabe, Neuordnung des Lagers, Einholen von Informationen, wurde uns die Arbeit zur Besichtigung von 4 Zeltlagern in der Umgebung übertragen. In Wirklichkeit haben wir in nur 48 Stunden, 12 Zeltlager besichtigt. Wir haben praktisch in allen grossen und kleinen Situationen eingegriffen, die wir auf unseren Fahrten angetroffen haben. 400 km haben wir zurückgelegt (2000 km während der gesamten Reise). Wir haben die Tiere untersucht, und sofort auf eventuelle Notsituationen hingewiesen, wie Feedback-Kontrolle über den Zustand von verletzten Tieren, oder Tiere, die operiert werden mussten. Wir haben Futter, Futternäpfe und Leinen verteilt (der Rest der Materialien, wie Schlafplätze, Umzäunungen und andere grössere Materialien, wurden auf Nachfrage abgegeben, denn leider besteht auch in diesen Situationen Unehrlichkeit derjenigen, die durch eigene Mittel die Möglichkeit haben, sich um ihre eigenen Tiere zu kümmern). Wir haben den Tieren Anti-Parasiten Mittel verabreicht, und haben sie auch an die Besitzer verteilt.



Doch besonders waren wir mit der Aufklärungsarbeit beschäftigt,
an vielen Orten, wo Menschen mit Tieren zusammenleben (auch in angrenzenden privaten Strukturen). Das schlimmste Problem auf das wir gestossen sind, ist dass die Futternäpfe nicht mit Wasser und auch nicht mit Futter gefüllt werden. Wir haben somit praktische Hilfe geleistet und die Menschen in den Zeltlagern, häufig auch Kinder, darauf aufmerksam gemacht, die Futternäpfe täglich zu kontrollieren und wenn notwendig mit frischem Wasser und Futter aufzufüllen. Die Menschen stellten sich hierfür völlig zur Verfügung, auch in den Zelten, wo das Problem noch nicht einmal gesehen wurde. Ausserdem haben wir in vielen Situationen auf eine bessere Haltung der Tiere und auf deren Sterilisation hingewiesen. Das war nicht immer einfach! Die Sterilisation ist die einzige konkrete Lösung für das explodierte Streuner-Phänomen, und kann nun dank des Krisenstabs durch die Tierärzte, die aus allen Regionen angereist sind, um Freiwilligenarbeit durchzuführen, in Angriff genommen werden. Es wäre absurd dies nicht zu nutzen! In dieser Hinsicht wurde viel Arbeit geleistet, die Tiere wurden eingefangen, sterilisiert und wieder im Gebiet ausgesetzt. Eine kostenlose Sterilisation wurde nicht nur den freilebenden Hunden geboten, sondern gilt für alle. Doch es muss noch viel gemacht werden.
 
 
Was hat euch am meisten berührt?

 

 
Die Wärme der Menschen und die Augen der Tiere. Wir haben wunderbare Menschen getroffen, die uns umarmten und uns zu trinken anboten, auch wenn wir nur nach dem richtigen Weg fragten... die Erzählungen dieser tragischen Nacht des 6. Aprils, die Trümmer, doch besonders das Licht der Augen, zwischen Resignation und Regression, und der Wille zu einem Neuanfang.  Doch auch zu wissen, dass es Menschen gibt, hauptsächlich ältere, die sich einfach nicht psychologisch erholen können, und die keinen Hoffnungsschimmer mehr sehen…an sie denken wir mit tiefster Zuneigung…





Die Augen der Tiere. Tiere, die uns nicht alleine lassen, und die Zuneigung und Wärme suchen und... ängstliche Tiere, die zwischen Angst, Hunger und Durst verschreckt einen Hundekeks annahmen. Die Freude ist gross, wenn sie keine Angst vor dir haben, und wissen dass sie dir Vertrauen können. Es macht uns glücklich zu sehen wenn zwei volle Futternäpfe in nur wenigen Sekunden verschlingt werden. Die Liebe und die Kraft der Menschen, die mühsam versuchen, das Leiden der Tiere zu lindern.
Die wunderschönen Panoramablicke und die traurige Schönheit der beschädigten Kulturgüter und alten Häuser. Eine wirklich wunderbare Region, die sich hoffentlich bald wieder erholt.
 

Welche Geschichte werdet ihr niemals vergessen?
 
Wir werden niemals Chicca vergessen! Chicca ist ein Streuner (sterilisiert und wieder im Gebiet ausgesetzt), die sich bei Santa Maria del Ponte aufhält, und wo es auch ein Zeltlager gibt. Dieser Hund ist ein wahrer Held. In der Nacht des 6. Aprils hat dieser Hund an jeder Tür gekratzt, und wie verrückt gebellt, damit die Leute aufwachen und sich in Schutz bringen, und es gab dort wirklich keine Opfer. Vielleicht kann dieser Fall für manch einen nichts Besonderes sein, da viele Tiere durch ihre Sensibilität schon vorher spüren, wenn etwas geschieht. Doch Chicca hat mehr geleistet, sie kontrollierte das Geschehen und übernahm den offiziellen Wachposten vor Ort.
Während der Nacht, nach dem Erdbeben passierte in einem Zelt, wo eine Familie mit Kindern untergebracht war, ein Unfall. Ein Kurzschluss hat ein Feuer ausgelöst und Chicca hat alles Erdenkliche gemacht, um auf die Gefahr hinzuweisen, und hat somit ermöglicht, dass alle sich in Sicherheit bringen konnten. Wenn sie nicht gewesen wäre, hätte eine Tragödie passieren können. Ausserdem bringt sie Welpen, die sie auf der Strasse findet, zurück zu ihren verstörten Müttern, die auf Futtersuche sind. In unserem kurzen Besuch konnten wir uns an ihrem Schutz und ihrer Führung erfreuen. Chicca ist ein wahrer Schutzengel!
 


   Uns von ihr zu trennen, war sehr schwierig...






Was wollt ihr den Leuten sagen, die euch ihr Vertrauen geschenkt haben, um den Streunern in den Abruzzen zu helfen?
 
Wir möchten ihnen mitteilen, dass wir ihnen von Herzen für die Unterstützung danken. Wir hoffen, dass sie erfreut darüber sind, dass das was sie gespendet haben, von uns persönlich verteilt wurde. Das was wir nicht verteilen konnten ist in absolut guten Händen, die jede Möglichkeit nutzen, um den hilfsbedürftigen Vierbeinern zu helfen. Wir haben volles Vertrauen in die Arbeit von Paolo Migliaccio, der auf nationaler Ebene für die Koordination der Tierhilfe im Erdbebengebiet verantwortlich ist. Er weiss genau wo die Hilfe benötigt wird, und die Hilfe kommt dort schnell ohne Umwege an. Er weiss am Besten, wie man die Ressourcen effizient einsetzt.
Doch eine Bitte geht an die Tierfreunde: Es gibt bestimmt Menschen mit einem Herz für Tiere, die gerne einen Streuner aus dem Erdbebengebiet adoptieren möchten. Doch diese Art von Adoptionen (generell internationale Adoptionen) verschwenden grosse Mengen an Ressourcen und Zeit, und machen die Arbeit für den Krisenstab, der sich um die Tiere kümmert, sehr viel schwieriger und zeitaufwendiger. Sie erfassen und versehen nämlich immer noch die Hunde mit Microchips, um sie zu ihren eventuellen Besitzern zu bringen. Sie machen Sterilisationen und platzieren sie als freilebende Hunde in bestimmten Wohnvierteln, da es viele Streuner gibt, die für eine Adoption einfach nicht in Frage kommen, die aber ihren Platz finden, wo sich Leute vor Ort um sie kümmern. In dieser Hinsicht, arbeiten sie hart und sehr erfolgreich, doch leider gibt es Menschen, die gedankenlos Tiere von dort einfach mitnehmen. Dadurch wird die geleistete Arbeit zunichte gemacht, die auch eine wichtige Nachricht für die Bevölkerung hinsichtlich der Tiere mit sich trägt. Man sollte darüber nachdenken, dass es absolut wichtig ist, das Problem im Ganzen zu sehen, und nicht einfach zu verschieben. Es ist absolut notwendig die Eingriffe und die Unterbringungen für Tiere die frei leben, vor Ort zu organisieren. In dieser Weise können viel mehr Streunern vor Ort geholfen werden, anstatt für einzelne Aktionen Zeit und Geld für den Transfer eines Tieres zu verschwenden.  
 
 
 
 
 
 
Materialzusammenstellung, die durch die gesammelten Spenden, gekauft wurden:
 
Ende April 2009

MITTEL GEGEN PARASITEN
2 Advantix, Hunde
1 Front Line Combo für Katzen

SCHMERZMITTEL-ENTZÜNDUNGSHEMMENDE MITTEL

1 Contramal 200mg, 10 Tabletten
1 RIMADYL 100mg, 50 Tabletten

ANTIBIOTIKA
2 SYNULOX 50, 10 Tabletten
2 SYNULOX 250, 10 Tabletten
2 SYNULOX 500, 10 Tabletten
2 BAYTRIL 150, 10 Tabletten


ANDERES MEDIZINISCHES MATERIAL
2 Packungen Verbandsmaterial à 7cm
2 Packungen Verbandsmaterial à 5cm

1 Packung sterile Mullbinden

1 Paket über 30 Spritzen 0,5ml
2 Pakete über 30 Spritzen 1ml
1 Paket über 10 Spritzen 2,5ml
1 Paket über 10 Spritzen 5ml

5 Packungen Nähmaterial

4 Tropfflaschen à 500ml

FUTTER
18 Packungen Nassfutter für Hunde à 1,200gr
19 Packungen Nassfutter für Katzen à 400gr
1 Sack Trockenfutter für Hunde 7,5 kg
2 Säcke Trockenfutter für Hunde à 12 kg
4 Säcke Trockenfutter für Katzen à 2 kg
1 Sack Reis 5 kg
 
JUNI  2009

MITTEL GEGEN PARASITEN
37 Packungen für Hunde und Katzen
FUTTER
Über 600 kg (350 Packungen) Nassfutter und Trockenfutter für Hunde und Katzen